"Small Number - Big Impact" Schweizer Einwanderung in die USA
Sonderausstellung vom 02. März bis 16. September Schweizerisches Landesmuseum Zürich




Ausstellung

Musik
Wissenschaft
Politik
Wirtschaft
Kultur
Tessin
Glarus


Musik

Adolph Rickenbacher (1887-1976)

Adolph Rickenbacher wurde am 1. April 1887 in Basel geboren. Im Oktober 1891 wanderte die Familie Rickenbacher in die USA aus, wie es schon viele ihrer Verwandten getan hatten. Danach folgte, was man ohne weiteres die Verkörperung des amerikanischen Aufstiegstraums nennen könnte.

Bevor es so weit war, durchlebte der junge Adolph jedoch schwere Zeiten. Nicht lange nach der Ankunft in der neuen Welt starb die Mutter, und der Vater verlor bei einem Eisenbahnunglück beide Beine, worauf er zu trinken begann und sich nicht mehr um seine Kinder kümmern konnte. Der junge Rickenbacher machte dennoch seinen Weg, wurde Ingenieur und heiratete eine vermögende deutschstämmige Amerikanerin.

In einer eigenen Werkstatt fertigte er Metallgehäuse und Aluminiumteile, die im Gitarrenbau verwendet wurden. Als der Gitarrist George Beauchamp 1931 einen elektromagnetischen Tonabnehmer entwickelte, leistete Rickenbacher technische Hilfestellung und war darüberhinaus Geldgeber. Die erste elektrische Gitarre, die Frying Pan, war geboren. Ab 1934 zierte der Schriftzug Rickenbacker electro jede Gitarre, und ab 1940 war Rickenbacher alleiniger Inhaber der Firma. Damit schuf er DIE Ikone der amerikanischen Populärkultur.

Für weitere Informationen: www.rickenbacker.com

Atz (*1947) und Jewel Kilcher (*1974)

1940 wanderten Atz’ Eltern nach Alaska aus, um dort ihre Vision eines einfachen Lebens im Einklang mit der Natur umzusetzen. Atz Kilcher kam in Alaska zur Welt, lebte aber von 1956 bis 1958 kurz in der Schweiz und erlernte den dortigen Dialekt. Ihre Kinder, darunter Jewel, zogen Atz und seine Frau in Alaska auf, in einer Holzhütte ohne Strom und fliessendes Wasser. Jewel sang mit ihrem Vater am Lagerfeuer und tingelte als kleines Mädchen mit ihm durch die Spelunken.

Von Grossvater Yule hatte sie das Jodeln gelernt, schon als 7-Jährige trat Jewel in der TV-Show Good Morning Alaska auf. Im Teen-Alter war sie als „The Swiss Miss“ Mitglied einer Rapgruppe. Später besuchte sie die Interlochen Fine Arts Academy in Michigan, begann Songs zu schreiben und zog zu ihrer inzwischen in San Diego lebenden Mutter. Dort trat sie regelmässig im Kaffehaus „Innerchange“ auf, wurde entdeckt und hatte mit dem Folk-Pop ihres Debütalbums «Pieces of you» sensationellen Erfolg.

Jewel ist einer der erfolgreichsten Popstars der USA: 25 Millionen Platten hat sie schon verkauft, 2006 erschien ihr sechstes Album «Goodbye Alice in Wonderland». Atz tritt weiter als Musiker auf, manchmal als Gast in Jewels Shows.

Für weitere Informationen: www.jeweljk.com

Melissa auf der Maur (* 1972)

Als die Grosseltern von Melissa auf der Maur 1929 von Schwyz Richtung Kanada aufbrachen, war nicht abzusehen, was ihre Enkelin einmal erreichen würde. In dem Moment zählte nur die Hoffnung, die Armut hinter sich zu lassen und dort eine neue Zukunft zu beginnen. Melissa Auf der Maur hegt grössten Respekt für den Mut ihrer Vorfahren, die geliebte Heimat zu verlassen.

Schon Melissas Vater Nick auf der Maur hatte als Politiker und Kolumnist Erfolg. Die Tochter aber, die schon mit acht wusste, dass sie einmal Rockstar werden wollte, hat ihren Vater nun bei weitem übertroffen. Als Bassistin spielte sie in zwei der bedeutendsten US-amerikanischen Rockbands der 1990er-Jahre mit; Hole und The Smashing Pumpkins.

Seit 2004 verfolgt sie eine eigene Karriere unter dem Namen Auf der Maur. Es ist bezeichnend, dass die auf ihre Schweizer Wurzeln Wert legende Musikerin das Familienwappen der Schweizer Auf der Maurs als Emblem für ihr erstes Soloalbum benutzt. Die Tochter einer Amerikanerin und eines Kanadiers, die in Montreal und den USA lebt, fühlt sich als Schweizerin, Kanadierin und als Amerikanerin zugleich.

Für weitere Informationen: www.aufdermaur.com

Oliver Stumm (*1961)

Oliver Stumm ist schweizerisch-amerikanischer Doppelbürger. Seine Eltern zogen nach dem zweiten Weltkrieg in die USA, wo sein Vater Werner mit der «aquatischen Chemie» ein eigenes Fachgebiet begründete und zum Harvardprofessor aufstieg. Stumm kam 1961 in Boston zur Welt. Als er zwölf war, zog die Familie zurück in die Schweiz. Er schloss an der Universität Zürich ein Mathematikstudium ab, das er sich als DJ und Partyveranstalter finanzierte.

Ende der 1980er-Jahre wurde Stumm zum Pionier der Schweizer House- und Technoszene. Als diese ihm zu kommerziell wurde, siedelte er 1992 nach New York über. In der Schweiz blieb er ein Mythos, in den USA ist er ein angesehener Undergroundkünstler. Als Musiker landete er unter dem Kürzel H2O den zehntausendfach verkauften Klubhit «Nobody’s Business». Mit einem zweiten Schweizer, Domie Clausen, gründete er das Label A Touch of Class – Plattenfirma und Produktionsstudio, Booking agency und Musikverlag in einem. Den grössten Hit landeten die beiden mit «Comfortably Numb» der von ihnen entdeckten späteren Weltstars Scissor Sisters.

Stumm pendelt zwischen zwei Welten. Für Auftritte fliegt der moderne Nomade immer wieder nach Europa.

Für weitere Informationen: www.atouchofclassusa.com

Walter Liniger (*1949)

Auf ersten Reisen in die USA 1969 und 1976 war Walter Liniger von Amerika eher befremdet. Gleichzeitig faszinierte ihn das Land, so dass er sich 1982 für drei Jahre von seiner Sekundarlehrerstelle in Kehrsatz, Kanton Bern, beurlauben liess und in die USA reiste. Der Urlaub dauert bis heute.

Zunächst war er hier und dort, und ab 1984 baute er das Bluesarchiv an der University of Mississippi in Oxford auf. Dank eines Stipendiums des Staates Mississippi konnte Liniger beim legendären Bluesmusiker James «Son» Thomas in die «Blueslehre» gehen. Liniger war Mitte der 1980er Jahre der erste Weisse, der in Mississippi mit einem schwarzen Bluesmusiker im Duo musizierte. Die beiden tourten gemeinsamen, führten Workshops an Schulen durch und nahmen das Album „Gateway to the Delta“ auf, für das sie den W.C. Handy Award erhielten – die höchste Auszeichnung im Blues.

Seit 1993 ist Liniger Professor am Institute of Southern Studies der University of South Carolina in Columbia. In Blueskursen bringt er den Studenten vordergründig das Mundharmonikaspiel bei, dabei vermittelt er geschichtliche und gesellschaftliche Einsichten zur afroamerikanischen Kultur und den Umgang der amerikanischen Gesellschaft damit.

Für weitere Informationen: www.bluesprof.com



Wissenschaft

Adolph F. Bandelier (1840-1914)

Adolph F. Bandelier wurde 1840 in Bern geboren. Als er siebenjährig war, wanderte sein Vater aus. 1848 folgte ihm seine Familie, worauf sie sich in Highland, Illinois niederliessen. Dort erhielt Adolph eine umfassende, wenn auch nicht akademische, Ausbildung.

Über klimatologische und meteorologische Beobachtungen, die Bandelier gegen Ende der 1860er-Jahre anstellte, kam er in Kontakt mit Mitgliedern der „Scientific Community“. Sein Leben verändert hat der Kontakt mit dem Anthropologen Lewis Henry Morgan, der indianische Kulturen erforschte. Vorerst widmete sich Bandelier der wissenschaftlichen Arbeit jedoch nur in den Nachtstunden, da er tagsüber einer Lohnarbeit nachging. Weil dies seiner Gesundheit aber sehr zusetzte, beschloss er im Alter von 40, sich ganz der Wissenschaft zu widmen.

Bandelier war eine der herausragenden Persönlichkeiten und ein echter Pionier in der Frühgeschichte der amerikanischen Ethnologie sowie in der Erforschung indianischer Kulturen. Fanny Bandelier, seine zweite Frau, blieb in seinem Schatten. Obwohl sie ihn stets begleitet hatte und viele seiner Arbeiten, insbesondere im hohen Alter, als er beinahe erblindet war, ohne sie undenkbar gewesen wären.

Albert Einstein (1879-1955)

Albert Einstein wurde 1879 im deutschen Ulm geboren. Sein Weg führte ihn über Mailand in die Schweiz, wo er studierte und im Jahr 1901 die Schweizer Staatsbürgerschaft erlangte. 1905 reichte Einstein seine Dissertation ein. Ins gleiche Jahr fallen auch drei seiner wichtigsten Arbeiten, mit denen er in der wissenschaftlichen Welt bekannt wurde. 1908 wurde er habilitiert, darauf war er Professor in Zürich, Prag und Berlin. 

Einstein reiste viel und hielt Vorlesungen auf der ganzen Welt. Von einer Reise im Dezember 1932, die ihn in die Vereinigten Staaten führte, kehrte er nicht mehr zurück, da im Januar 1933 die Nationalsozialisten in Deutschland die Macht ergriffen hatten. Er kehrte nie mehr nach Deutschland zurück und erhielt 1940 die US-amerikanische Staatsbürgerschaft.

Einstein war einer der bedeutendsten Physiker des 20. Jahrhunderts. Seine Beiträge zur theoretischen Physik veränderten maßgeblich das physikalische Weltbild. Für seine Erklärung des photoelektrischen Effekts wurde ihm 1921 der Nobelpreis für Physik verliehen. Er nutzte seinen Bekanntheitsgrad auch außerhalb der naturwissenschaftlichen Fachwelt bei seinem Einsatz für Völkerverständigung und Frieden.

Elisabeth Kübler-Ross (1926–2004)

Elisabeth Kübler-Ross wuchs in Meilen auf. Eine Begegnung mit Mitgliedern des „Internationalen Friedensdienstes“ weckte in ihr die Sehnsucht nach der weiten Welt sowie den Wunsch, diese zu verbessern. Gegen den Willen ihres Vaters machte sie eine Lehre als Laborantin, absolvierte die Erwachsenenmatur und studierte schliesslich Medizin. 1958 wanderte sie mit ihrem Mann, dem Amerikaner Emanuel Ross, in die USA aus.

Sie spezialisierte sie sich auf das Fachgebiet Psychiatrie. Immer wieder fiel ihr bei ihrer Arbeit in Spitälern auf, dass der Tod dort wo er allgegenwärtig war am meisten tabuisiert wurde. Vor diesem Hintergrund entwickelte Kübler-Ross 1965 ihre dreiteiligen „Sterbeseminare“, die sie 1969 dank einer Reportage im Life-Magazin berühmt machten. Im gleichen Jahr erschien ihr erstes Buch „On Death and Dying“. Zudem beschäftigte sie sich auch mit Themen wie Nahtoderfahrung, Leben nach dem Tod und auch zur Hospizbewegung leistete sie einen grossen Beitrag.

Die Beobachtungen der Sterbeforscherin stellen den Grundstein der heutigen Erkenntnisse über die Situation Sterbender dar. Keine hat soviel wie sie dazu beigetragen, das Tabu des Sterbens zu durchbrechen.

HENRY DETWILLER (1795–1887)

Henry Detwiller wurde 1795 in Langenbruck geboren. Er studierte zunächst mit Privatgelehrten, dann an der Universität Freiburg in Deutschland Medizin. Im Frühjahr 1817 gab er seinem Abenteuergeist nach und reiste als Schiffsarzt auf der „John of Baltimore“ in die USA. Eigentlich wollte er weiter nach Indien reisen, blieb dann aber in den USA.

Er liess sich in Hellertown, Pennsylvania, nieder, wo er sehr erfolgreich als Arzt praktizierte, damals noch nach schulmedizinischen Regeln. Dann machte er Bekanntschaft mit den Ideen des deutschen Arztes C.F.S. Hahnemann, dem Begründer der Homöopathie. Am 23. Juli 1828 stellte Detwiller erstmals ein Rezept nach dem Grundgesetz der Homöopathie „similia similibus curantur“ aus. Dies machte ihn zum Pionier, der die Homöopathie in den USA einführte.

Detwiller gründete 1835 in Allentown die erste homöopathische Akademie der USA. 1848 war er Mitbegründer des Hahnemann Medical College. Daneben war er zeitlebens ein begeisterter Naturforscher, der eine wertvolle Sammlung von botanischen und zoologischen Raritäten anlegte.

Othmar H. Ammann (1879-1965)

Othmar H. Ammann wurde am 26. März 1879 geboren. An der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich studierte er Bauingenieurwissenschaften. Im Jahr 1904 wanderte Ammann in die USA aus, die ihm mit den grossen Bauvorhaben die grösstmögliche berufliche Herausforderung boten.

Damals veränderte sich New York rasant, und die Fähren über den Hudson River vermochten das durch die Motorisierung gestiegene Verkehrsaufkommen nicht mehr zu bewältigen. Brücken waren die Lösung. Ammann arbeitete für Gustav Lindenthal, der mit Brückenprojekten über den Hudson betraut war. Wegen unterschiedlicher Vorstellungen kam es aber 1923 zum Bruch zwischen den beiden Ingenieuren. Ammann arbeitete selbstständig weiter und warb bei Politikern für sein Projekt, einer Verbindung zwischen New York und New Jersey. 1925 wurde er zum Brückeningenieur der Port Authority von New York gewählt.

Unter seiner Regie wurden Brücken wie die heutige George Washington Bridge oder die Bayonne Bridge gebaut. Ferner stand Ammann beim Bau der Golden Gate Bridge in San Francisco beratend zur Seite. Die Krönung seines Schaffens stellte jedoch die Verrazano Narrows Bridge dar.



Politik

Albert Gallatin (1761-1849)

Albert Gallatin wurde am 19. Januar 1761 in eine Genfer Aristokratenfamilie geboren. Relativ einfach hätte er Karriere machen können, doch das starre politische System Genfs, die jugendliche Abenteuerlust, die Aussicht auf schnelles Geld und sein Unabhängigkeitsdrang trieben Gallatin 1780 nach Amerika, dem «freiesten Land im Universum», wie er sagte.

Mit mässigem Erfolg versuchte sich Gallatin als Lehrer, Bodenspekulant und Farmer. Früh fiel sein politischer Instinkt auf, so dass er im Staat Pennsylvania in die Politik einstieg. 1793 wurde er als Senator gewählt, musste aber nach einem Jahr zurücktreten, da er noch zu wenig lange US-Staatsbürger gewesen war. 1801 wurde er unter Thomas Jefferson Finanzminister. Während seiner Amtszeit reduzierte er konsequent die Staatsschulden, war aber auch zusätzlich diplomatisch aktiv. So kam ihm eine tragende Rolle zu in den Vermittlungen zwischen den USA und England, die 1814 in den Treaty of Ghent mündeten und den Krieg beendeten.

Nach seinem Rücktritt als Finanzminister engagierte sich Gallatin weiterhin für das öffentliche Wohl. Er gründete die Universität New York, die National Bank of the City of New York sowie die American Ethnological Society.

Anton Andreas Dietsch (1807-1845)

Anton Andreas Dietsch wurde am 13. Oktober 1807 im elsässischen Mülhausen geboren, das bis einige Jahre zuvor ein der Eidgenossenschaft zugewandter Ort war. Er machte eine Ausbildung als Bürstenbinder, ging auf die Walz, worauf sich seine Spur erst 1835 in Aarau wiederfindet. Dietsch war sozialkritisch, machte sich Gedanken über die „soziale Frage“ und publizierte ab 1841 auch mehrere Schriften zu dem Thema. Ihm schwebte eine egalitäre, auf Gemeinbesitz beruhende Kommune ohne Habgier und Neid vor. Dass dies in der Schweiz nicht zu verwirklichen war, realisierte er bald.

Im Dezember 1843 publizierte er deshalb eine weitere Schrift, bei der die Idee der Kolonie Neu-Helvetia in den USA schon klar aufgezeichnet war. Das Echo war sehr gross, und im Juni 1844 verliess Dietsch zusammen mit 42 weiteren Auswanderungswilligen Aarau.

Nach einer entbehrungsreichen Überfahrt traf die Gesellschaft im August in den USA ein, im Herbst machte man sich an die Besiedlung des Stücks Land in Missouri, das Neu-Helvetien werden sollte. Die Realität war aber weit entfernt von Dietschs visionärer Utopie, so dass die Kolonie bereits im darauffolgenden Frühling scheiterte. Zur gleichen Zeit starb Dietsch.

Karl Bürkli (1823–1901)

Der 1823 geborene Karl Bürkli entstammte einer Zürcher Bürgersfamilie. Statt jedoch, wie in diesen Kreisen üblich, das Gymnasium zu absolvieren, brach er dieses ab und machte eine Gerberlehre. Daraufhin begab er sich auf Wanderschaft, die ihn nach Paris führte, wo er Bekanntschaft mit dem sozialistischen Gedankengut von Charles Fourier machte, das ihn entscheidend prägte.

Zurück in Zürich, gründete er 1851 zusammen mit Jakob Treichler den Konsumverein. 1855 versuchte er zusammen mit 30 Gesinnungsgenossen das sozialistische System Fouriers in Texas in die Tat umzusetzen. Eine dort auf Freiheit, Gleichheit und sozialer Gerechtigkeit gegründete Kolonie scheiterte, worauf Bürkli 1858 hoch verschuldet in die Schweiz zurückkehrte.

Zunächst engagierte er sich nochmals beim Konsumverein, später führte er in der Zürcher Altstadt ein Wirtshaus, das ein Zentrum oppositioneller Strömungen wurde. Zudem sass er über längere Zeit im Kantonsrat, wo er sich vor allem für die direkte Volksgesetzgebung (Referendum und Initiative) einsetzte. Bis zu seinem Tod 1901 war Bürkli politisch aktiv und einer der bedeutendsten Vertreter der Zürcher Arbeiterbewegung.

Madeleine May Kunin (*1933)

Madeleine May Kunin wurde 1933 in Zürich als zweites Kind von Ferdinand May und Renee Bloch May geboren. Nach dem Tod des Vater 1936 geriet die Familie in Geldnot und emigrierte aus Angst vor einer möglichen deutschen Invasion 1940 in die USA. Kunin wuchs in Pittsfield, Massachusetts, auf und studierte Geschichte, Journalismus sowie Englische Literatur.

Vor ihrer bemerkenswerten politischen Laufbahn unterrichtete sie am Trinity College in Burlington, Vermont. 1971 wurde sie als Demokratin ins Repräsentantenhaus gewählt, 1985 wurde sie erste Gouverneurin in Vermont. Während Präsident Bill Clintons Amtszeit machte sie sich als stellvertretende Ministerin für Erziehung verdient und von 1996 bis 1999 war sie US-Botschafterin in der Schweiz. Als Politikerin setzte sie sich vor allem für das Schul- und Erziehungswesen, Umweltthemen sowie die Gleichberechtigung der Frau ein.

Nach ihrer Zeit als Botschafterin in der Schweiz zog sich Madeleine May Kunin aus der aktiven Politik zurück. Seither engagiert sie sich wieder im universitären Bereich, wobei sie als Gastprofessorin der politischen Wissenschaft an zwei verschiedenen Universitäten lehrt. Ihren Themen bleibt sie dabei treu, gibt sie doch ein Seminar mit dem Thema „Women, Politics and Leadership“.

Für weitere Informationen: www.ed.gov/offices/ODS/kunin.html

Yule Kilcher (1913-1998)

Yule Kilcher wurde 1913 geboren. Mit 16 zog es ihn in die weite Welt: E; r trampte durch Nordafrika und hielt sich in Schweden und den Karpaten auf. 1936 reiste er ein erstes Mal nach Alaska, 1939 brach er seine Zelte endgültig ab. In Alaska wollte er fortan seine Vision eines einfachen und möglichst autarken Lebens im Einklang mit der Natur umsetzen.

Zusammen mit seiner Frau Ruth hatte Kilcher acht Kinder. Sie bewirtschafteten ein Gebiet von 250 Hektaren, die ein weitgehend autarkes Leben ermöglichten. Sie lebten in relativer Isolation auf engstem Raum in einem Blockhaus ohne Strom und fliessendem Wasser. Kilcher engagierte sich aber auch politisch für seine Vision: Mitte der 1950er-Jahre arbeitete er an der Verfassung Alaskas mit und von 1963 bis 1967 sass er im Senat von Alaska, wo er sich insbesondere für den Naturschutz engagierte.

Kilcher dokumentierte die Entwicklung seiner Familie und das Experiment, das sie täglich lebten. Mit ihren Filmen und Dias kamen die Kilchers regelmässig in die Schweiz. Auch in den USA zeigte man Interesse daran, sind es doch Geschichten wie jene der Kilcher-Familie, die zu den tragenden Elementen der (weissen) US-amerikanischen Identität gehören.



Wirtschaft

Robert A. „Bob“ Lutz (*1932)

Robert A. Lutz wurde 1932 in Zürich geboren. Noch als er ein Kind war, zog die Familie in die USA, 1949 wurde Lutz amerikanischer Staatsbürger.

Als Dreijähriger konnte er laut eigener Aussage jedes Auto auf der Strasse nach dem Hersteller und Herstellungsjahr benennen. Zum Leidwesen seines Vaters war er jedoch in der Schule nicht immer so schnell im Lernen. Als „Bob“ 22 war, teilte er ihm mit, er würde noch ein weiteres Jahr für die Schule bezahlen, wenn er der Marine beiträte. So wurde Lutz Kampfpilot. Plötzlich klappte es auch mit der Schule; das Studium der Wirtschaftswissenschaften an der University of California in Berkeley schloss er mit Höchstnoten ab.

Seit 1963 arbeitet Lutz in der Automobilbranche – zuerst für GM, für welche er mehrere Jahre in Europa arbeitete, dann für BMW, Ford und die frühere Chrysler Corporation, wo er Vice Chairman und später Präsident war. Bevor Lutz 2001 zu GM zurückkehrte, war er CEO bei Exide Technologies. Bei GM war Lutz zunächst als Chairman für Nordamerika zuständig und seit 2005 zeichnet er als Vice Chairman für die weltweite Produktentwicklung von General Motors verantwortlich.

Johann August Sutter (1803-1880)

Johann August Sutter kam 1803 als Sohn eines Schweizers im süddeutschen Kandern zur Welt. Er absolvierte eine Lehre in einer Druckerei in Basel, arbeitete danach in Aarburg in einer Tuchhandlung, übersiedelte nach Burgdorf, wo er den Salzfaktor unterstützte und später eine Tuch- und Kurzwarenhandlung gründete.

1834 machte seine Firma Konkurs, worauf Sutter in die USA auswanderte – seine Frau und die fünf Kinder liess er zurück (erst 16 Jahre später liess er sie nachkommen). Auf diversen Umwegen gelangte Sutter 1838 nach Kalifornien, damals noch eine Provinz Mexikos. Vom Gouverneur erhielt er Land geschenkt, worauf er die Kolonie Neu-Helvetien gründete und Sutters Fort baute. Die Kolonie hatte jedoch kaum Erfolg: Sutter hatte Schulden, 1846 brach der Krieg zwischen den USA und Mexiko aus, worauf Kalifornien 1848 an die USA überging.

Fast gleichzeitig wurde Gold gefunden, der Goldrausch brach aus und die Bevölkerung stieg explosionsartig an. Statt davon zu profitieren, verlor Sutter alles. Als 1865 auch noch sein Haus abbrannte, hielt ihn nichts mehr in den USA. Er wollte zurück in die Schweiz, blieb aber in Washington hängen, wo er 1880 erfolg- und mittellos starb.

Louis Chevrolet (1878-1941)

Louis Chevrolet wurde am 25. Dezember 1878 in La Chaux-de-Fonds geboren. Seine Familie wanderte 1887 nach Frankreich aus. Da die neunköpfige Familie sehr arm war, mussten die Kinder mit elf die Schule abbrechen und arbeiten gehen. Chevrolet arbeitete ab 1889 in einer mechanischen Werkstatt, wo seine Begeisterung für Motoren geweckt wurde. In jener Zeit entdeckte er auch seine Leidenschaft für Wettkämpfe; er nahm mit Erfolg an Fahrradrennen teil.

1900 wanderte Chevrolet nach Kanada aus, 1901 übersiedelte er in die USA. Bald etablierte er sich als Mechaniker, fiel aber auch als talentierter Rennfahrer auf. 1905 folgte der Durchbruch und innert vier Jahren war er ein Star.

Chevrolet war auch ein Autopionier. Zuerst konstruierte er für Buick, dann liess er sich bei Chevrolet Motor Car Company als Konstrukteur einspannen, bei der er aber nur eine Minderbeteiligung hatte. Zudem gingen seine Ideen und jene des Inhabers weit auseinander, so dass es 1913 zum Bruch kam und Chevrolet die Rechte an seinem Namen verlor. Er konstruierte weiter, ohne finanziellen Erfolg. 1941 starb er, ohne dass jemand gross davon Notiz genommen hätte.

Niklaus Gerber (1836-1903)

Niklaus Gerber wurde 1836 im Kanton Bern geboren. Über den genauen Ort ist genauso wenig bekannt wie über weitere Details seiner Kindheit und Jugend. Ziemlich sicher scheint, dass Gerber eine Käserlehre machte.

Wann er genau in die USA auswanderte, ist auch nicht gesichert, die erste Spur jedenfalls findet sich 1857 in Boonville, New York. Von dort gelangte er über mehrere Stationen, bei denen er jeweils Käsereien gründete, 1868 in die nach Green County, Wisconsin.. Gerber hatte gehört, dass die dortige Milchwirtschaft im Aufstreben begriffen sei und ausserdem galt die Green County mit der Kolonie New Glarus als „Schweizer Gebiet“. Käse war mehr eine Notlösung, die aus Problemen mit dem Weizenanbau entstand.

Gerber führte die industrielle Käseproduktion in Fabriken ein. Zwar war schon zuvor Käse hergestellt worden, jedoch nur für den Hausgebrauch. Die Bauern brauchten eine gewisse Zeit, bis sie sich von den Vorteilen der Produktion in der Fabrik überzeugen liessen. Gerber gründete darauf sechs bis acht Käsereien. Er schaffte es jedoch nicht, seine Pionierleistung in Geld umzumünzen. Er verspekulierte sich, verliess die Green County vorübergehend, kehrte aber später zurück.

Steven (Steve) Anthony Ballmer (*1956)

Steve Ballmer wurde 1956 in Detroit als Sohn eines Schweizer Einwanderers geboren. Sein Vater arbeitete zu jener Zeit als Manager bei Ford.

Während seines Studiums der Mathematik und Ökonomie an der Harvard-Universität lernte Ballmer Bill Gates kennen, mit dem er ein Zimmer teilte. Nach seinem ersten Job bei Procter & Gamble Co. belegte er an der Stanford-Universität einen MBA-Kurs, den er allerdings abbrach, als Bill Gates ihm anbot, bei Microsoft zu arbeiten. 1980 stand Microsoft noch ganz am Anfang und Ballmer war erst der 24. Mitarbeiter der Firma sowie deren erster Manager. Als aus Microsoft 1981 eine Aktiengesellschaft wurde, hielt er 8% des Kapitals.

Im Laufe der Jahre leitete Ballmer mehrere Bereiche bei Microsoft, darunter Betriebssystem-Entwicklung, Absatz und Kundenservice, bevor er 1998 President wurde. Seit dem 13. Januar 2000 ist er der Nachfolger von Bill Gates als Chief Executive Officer von Microsoft.



Kultur

Die Familie Guggenheim

Die Geschichte der Familie Guggenheim beginnt 1847 im aargauischen Lengnau. Der Witwer Simon Guggenheim und die Witwe Rachel Weil Meyer wollten heiraten. Beide waren jüdisch und weil die damalige Gesetzgebung in Bezug auf die jüdische Bevölkerung sehr restriktiv war, wurde ihnen die Heirat untersagt. Da sie aber dennoch heiraten wollten und gehört hatten, dass es in den USA keine einschränkenden Gesetze für die jüdische Bevölkerung gebe, wanderten sie 1848 mit ihren zwölf Kindern nach Amerika aus.

Meyer Guggenheim arbeitete zunächst wie sein Vater als Hausierer, er besass aber einen aussergewöhnlichen Unternehmergeist, der zu Wohlstand führte. Dieser verwandelte sich in Reichtum, als die Familie begann, in Silber- und Bleiminen zu investieren. Am Ende des Ersten Weltkrieges kontrollierte sie drei Viertel der weltweiten Kupfer-, Silber- und Bleiproduktion und die Familie gehörte zu den fünf reichsten der USA.

Seither machten die Guggenheims vor allem mit ihrer Art, Geld auszugeben, von sich reden. Besonders öffentlichkeitswirksam tat dies Solomon Guggenheim, der ab 1927 seine weltberühmte Kunstsammlung aufbaute, die sich seit 1959 im Solomon R. Guggenheim Museum befindet.

Für weitere Informationen: www.guggenheim.org

Gottardo Piazzoni 1872-1945

Gottardo Piazzoni, 1872 in Intragna (Tessin) geboren, wuchs in seinem Heimatort auf und besuchte das Gymnasium von Locarno. Mit seinen Eltern wanderte er 1887 nach Kalifornien (Carmel Valley) aus. Er arbeitete vorerst auf der Milchfarm seines Vaters, entschied sich jedoch bald für den Beruf des Malers. In San Francisco erhielt er einen Studienplatz an der California School of Design, an der sein Können mit einer Goldmedaille ausgezeichnet wurde. 1895 setzte Piazzoni sein Studium an der Pariser Académie Julian fort. Nach sechs Monaten wechselte er an die Ecole des Beaux-Arts, wo er für drei Jahre unter Jean-Léon Gérôme seine Ausbildung vertiefte.

1901 eröffnete Piazzoni in San Francisco sein eigenes Atelier. Als Maler, Graphiker und Bildhauer stand er den avantgardistischen Strömungen nahe. Er gehörte zu den Mitbegründern der San Francisco Society of Artists, organisierte internationale Ausstellungen und lehrte von 1919 bis 1935 an der California School of Fine Arts, dem heutigen San Francisco Art Institute.

Im Mittelpunkt seines Schaffens standen symbolistische Landschaften, ruhige und kontemplative Naturausschnitte, festgehalten in einer reduzierten Formensprache und geprägt von subtil abgestuften Gelb-, Grau- und Brauntönen, aufgehellt von stimmungshaften Lichteffekten. Der Künstler galt als wichtiger Vertreter der „Tonalisten“, die mit ihrer Kunstauffassung die amerikanische Moderne massgebend beeinflussten. Ein Höhepunkt seines Kunstschaffens war 1929 der Auftrag, die Main Public Library mit monumentalen Wandmalereien auszuschmücken, die seit einem Jahr im de Young Museum von San Francisco zu sehen sind.

Im Jahr 1945 ist Gottardo Piazzoni auf seiner Ranch in Carmel Valley (Monterey County CA), USA, gestorben.

Mehr über Leben und Werk von Gottardo Piazzoni steht in der vom Schweizerischen Landesmuseum herausgegebenen „Zeitschrift für Schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte“ 57, Heft 2, 2000.

Leben und Werk von Gottardo Piazzoni

Marc Forster (*1969)

Der in Ulm geborene Marc Forster wuchs in Davos in einer wohlhabenden Familie auf. Ein sorgloses Leben. Schon als Kind stand für ihn fest, dass er Regisseur werden wollte. Was auch sonst schon schwierig ist, wurde beinahe unvorstellbar, als die Familie ihr ganzes Geld verlor. Forster schaffte es jedoch, Sponsoren zu finden und verliess die Schweiz 1990 Richtung New York, wo er die Filmschule absolvierte.

Nach der Ausbildung lief es zunächst harzig. Forster bewohnte zusammen mit einer Kollegin eine Einzimmer-Kellerwohnung, oft ass er tagelang nichts, da das Geld fehlte.. Hin und wieder trafen Angebote für Filme ein, er hungerte jedoch lieber, als einen Film zu drehen, der ihm seinen Ruf zerstören könnte. Der Durchbruch kam im Jahr 2000 mit dem Film „Everything Put Together“, den die Autoren von „Monster’s Ball“ sahen und sich entschlossen, Forster mit der Verfilmung des Stoffs zu beauftragen.

„Monster’s Ball“ wurde zum Grosserfolg und die Hauptdarstellerin Halle Berry gewann einen Oscar. Seither gehört Marc Forster zu den Grossen Hollywoods, sein Film „Finding Neverland“ wurde für sieben Oscars nominiert und Stars wie Dustin Hoffman bitten darum, mit ihm arbeiten zu dürfen. Seit Januar 2007 ist Marc Forsters Film Stranger than Fiction auch in den Schweizer Kinos zu sehen.

Mari Sandoz (1896–1966)

Im Jahr 1884 immigrierte der aus der Schweiz stammende Jules Sandoz in die USA und liess sich im Nordwesten Nebraskas nieder. 1896 wurde die älteste Tochter, Mari, geboren. Mari kam ebenso wenig wie ihre Geschwister zu einer guten Schulbildung, sie bildete sich aber gegen den Willen ihres Vaters im Selbststudium weiter. 1913 erhielt sie ein Zertifikat, das ihr zu unterrichten erlaubte, später besuchte sie die Universität in Lincoln, wo sie zum Schreiben kam.

Mit ihrem ersten Werk Old Jules schuf Sandoz ein Stück historische Erzählliteratur, durch das ihr Vater zum Symbol für die Eroberung des Westens wurde. Bald schon galt sie als eine der wenigen anerkannten Expertinnen auf diesem Gebiet. Mari Sandoz hatte einen geschärften Blick für die Missstände in ihrer Gesellschaft. Sie setzte sich für Arme und Unterdrückte ein, vertrat einen klar feministischen sowie ökologischen Standpunkt und war zudem eine glühende Verfechterin indianischer Anliegen.

Als sie starb, war sie eine berühmte Schriftstellerin, deren Werk etwa 30 Erzählungen, Biografien, Essays und Kurzgeschichten umfasste. Zudem wurde eines ihrer Bücher, „Cheyenne Autumn“ verfilmt.

Renée Zellweger (*1969)

Renée Zellweger wurde 1969 als Tochter eines Schweizers und einer Norwegerin in Katy, Texas geboren. Sie studierte an der University of Texas Literatur, nahm Schauspielunterricht und spielte in Aufführungen regionaler Theatergruppen mit. Nach dem Abschluss des Studiums im Jahre 1991 trat in Werbespots auf und bekam kleinere Nebenrollen. Für ihre erste Hauptrolle, 1994 im Independentfilm Love & A.45, erhielt sie sehr gute Kritiken.

Bald darauf zog sie nach Los Angeles, um ihrer Karriere einen weiteren Schub zu geben. Hier wurde Regisseur Cameron Crowe auf sie aufmerksam und gab ihr die Rolle in Jerry Maguire – Spiel des Lebens. Mit diesem Film gelang ihr der Durchbruch in Hollywood. Vorderhand spielte sie jedoch weiterhin in eher kleineren Filmproduktionen mit.

Außerordentlichen Erfolg konnte sie 2001 mit „Bridget Jones’s Diary“ verbuchen. Auch die nächsten Filme sicherten ihr grosse Aufmerksamkeit: Für Chicago und Cold Mountain, für die sie genau wie bei Bridget Jones für einen Oscar nominiert wurde. Für Cold Mountain gewann sie auch tatsächlich einen Oscar und einen Golden Globe als beste weibliche Nebendarstellerin.

Robert Frank (*1924)

Robert Frank wurde 1924 in Zürich geboren. Als Sohn jüdischer Eltern erhielt er das Schweizer Bürgerrecht erst 1945. Nach dem Krieg wollte Frank die Schweiz, die ihm zu klein und zu verschlossen war, hinter sich lassen. Zuerst zog es ihn nach Paris, 1947 kam er auf Ellis Island an. Sein Verhältnis zu den USA blieb lange gespalten, er pendelte zwischen den beiden Welten hin und her, Weltenbürger wäre wohl eine passende Bezeichnung für ihn.

1957 ermöglichte ihm ein Guggenheim-Stipendium die Arbeitsreise durch die USA. Diese führte zu der Dokumentation „The Americans“: eine breite Bestandesaufnahme des amerikanischen Volkes und ein künstlerisches Werk sowie soziales Dokument ersten Ranges, das ihn auf einen Schlag berühmt machte.

Frank ist einer der wichtigsten Fotografen des 20. Jahrhunderts. Seine Schweizer Wurzeln – Kindheit und Jugend während einer Zeit, die geprägt war von politischer Bedrohung, Enge aber auch gleichzeitiger Vertrautheit und normalem Lebensalltag – sind ein wichtiger Nährboden für sein Werk. Dennoch wird dieses als „Contribution to America“ und als amerikanische Zeitgeschichte in der visuellen Kultur des 20. Jahrhunderts aufgeführt.



Tessin

„Carissima Madre“

Eine für die Schweiz einmalige Briefsammlung von Auswanderern aus dem Kanton Tessin wurde 1981 von Giorgio Cheda herausgegeben. Die Briefe dokumentieren die Lebensumstände der Auswanderer in Kalifornien, aber auch die Sorge um Freunde und Familie in der alten Heimat. Die Verbundenheit blieb auch über grosse räumliche und zeitliche Distanzen hinweg bestehen. Viele Auswanderer schickten zur Unterstützung Geld nach Hause. Charakteristisch für die Tessiner Auswanderung war, dass bis etwa 1900 manch einer zurück kehrte. Sie brachten Kapital und Wissen mit, das sie in Tessiner Betriebe investierten. Der Aufbau der touristischen Infrastruktur wurde vorangetrieben. Die Rückwanderer hatten insgesamt grossen Anteil an der Modernisierung des Kantons Tessin.

Der Goldrausch in Kalifornien ab 1848

1848 wurde in Kalifornien Gold gefunden. Dies löste im Kanton Tessin die erste von zwei zahlenmässig starken Auswanderungswellen in die USA aus. Dem Lockruf des Goldes folgten zwischen 1850 und 1859 etwa 2000 Personen – vorwiegend junge Männer. Bei ihrem Wegzug hinterliessen sie grosse Lücken. Einige Gemeinden der Vallemaggia wie zum Beispiel Maggia, Someo und Moghegno verloren zwischen 1850 und 1855 beinahe alle jungen Männer im heiratsfähigen Alter. In den Dörfern blieben Frauen, Kinder und alte Leute zurück. Viele der Auswanderer wollten einige Zeit in den Minen arbeiten und mit dem Verdienst nach Hause zurückkehren. Manch einer blieb aber in der neuen Heimat und wandte sich dem Weinbau oder der Viehwirtschaft zu.

„I Ranceri“

Im Kanton Tessin war im 19. Jahrhundert immer noch die Realteilung des Landes gebräuchlich. Hatte ein Bauer vier Söhne, wurde sein Land in vier Stücke geteilt. Dadurch wurden die Betriebe immer kleiner, so dass sie eine Familie kaum mehr ernähren konnten. Die Auswanderung bot eine gute Lösung für dieses Problem an. In Kalifornien standen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts grosse Grundstücke zu einem guten Preis zum Verkauf. Viele Tessiner ergriffen die Gelegenheit beim Schopf und erwarben Land, das Platz für mehrere hundert Kühe, Plantagen sowie Getreidefelder bot. Die Bewirtschaftung von Grund und Boden erforderte diesseits wie jenseits des Ozeans harte Arbeit, aber die Perspektiven waren in Kalifornien viel besser.

Italian Swiss Wine Colony in Kalifornien

Die „Italian Swiss Wine Colony“ wurde 1881 vom Genuesen Andrea Sbarbaro, sieben weiteren Italienern sowie einem Schweizer gegründet. Dies erklärt den Doppelnamen “Italian Swiss”. Im Russian River Valley entstand auf 6000 Hektaren fruchtbarem Land das Weingut, welches in erster Linie italienischen und schweizerischen Immigranten Arbeit bot. Unter den Schweizern waren auch Tessiner, die aus den heimatlichen Rebbergen Wissen und Können mitbrachten. Die Kolonie war sehr erfolgreich. Vor der Prohibition waren deren „Tipo Chianti“ und „California Sauternes Dry“ zwei der begehrtesten Weine Kaliforniens. Der Betrieb wurde nach der Prohibition weitergeführt, 1988 an die Beringer Blass Wine Estates verkauft und besteht bis heute.



Glarus

Auswandereragenturen

Die Auswanderung war ein gutes Geschäft für die Auswandereragenturen. In der Schweiz gab es neun Agenturen, sechs davon befanden sich in Basel. Hauptagenten besorgten den Transport der Auswanderer von der Schweiz bis zum Einschiffungshafen, meistens Le Havre oder Bremen. Unteragenten waren regional tätig und verfügten über gute Kontakte mit den Behörden. Viele Gemeinden hatten ein Interesse daran, ihren mittellosen Bürgern durch finanzielle Unterstützung die Auswanderung zu ermöglichen. Dadurch entfielen längerfristig die Ausgaben für Fürsorgegelder. Aber auch mittels Inseraten in Tageszeitungen warben Agenturen und Schiffsgesellschaften auswanderungswillige Kunden an.

Auswanderungsgründe

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts zogen die Menschen scharenweise aus dem Glarnerland fort. Allein zwischen 1847 und 1854 wanderte jeder zwölfte Kantonseinwohner aus. Grund dafür war die grosse Not: 1844 brach die Kartoffelseuche aus und raubte der Bevölkerung ihr Hauptnahrungsmittel. Hunderte fielen damals der Hungersnot zum Opfer. In den Fabriken herrschten menschenunwürdige Verhältnisse mit Niedrigstlöhnen, Nachtarbeit und Kinderarbeit. Gesetzlicher Schutz blieb den Fabrikarbeitern weitgehend versagt. Neben der schweren Arbeit in der Fabrik mussten die Frauen auch noch ihre Kinder versorgen, waschen und haushalten. Diese widrigen Lebensumstände forderten ihren Tribut. Die Lebenserwartung war tief.

New Glarus, Wisconsin

1844 wurde im Schwarzen Bären in Glarus die Gründung der Kolonie Neu Glarus beschlossen. Der im gleichen Jahr gegründete Auswanderungsverein setzte sich zum Ziel, für eine sichere Übersiedlung der Auswanderer zu sorgen. Zwei Kundschafter, Fridolin Streiff und Niklaus Dürst, reisten daraufhin zur Vorbereitung in die USA. Bereits 1845 trat die erste Gruppe die Reise an. Inmitten einer ausgedehnten, grünen Hügellandschaft im Staat Wisconsin liess sie sich nieder. Mit seinen kleinen Städten, Bauernhöfen, Wäldern und Wiesen gleicht die Green County den voralpinen Regionen der Schweiz. Noch heute trägt New Glarus den Beinamen „Little Switzerland“.

Samuel Fässler

Ebenso wie andere Kantone unterstützte Glarus mit finanziellen Beiträgen die Auswanderung von armen und randständigen Menschen, um sich so der teuren Fürsorge für sie zu entledigen. Ein Beispiel dafür war der 18-jährige Samuel Fässler. Er war unehelich geboren und stammte aus armen Verhältnissen. Da er heimatlos war, fühlte sich keine Gemeinde für ihn zuständig. Wegen kleinen Delikten war er von 1844 bis 1851 in der Strafanstalt St. Jakob in St. Gallen. Die Glarner Behörden befürchteten eine Fortsetzung der kriminellen Laufbahn nach seiner Entlassung. Im Einverständnis mit Samuel Fässler wurde deshalb die Auswanderung in die USA beschlossen. Am 19. März 1851 traf Samuel Fässler in New York ein. Danach verliert sich seine Spur.






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